Sonntag, 4. Oktober 2009

Möchtest Du den Fisch haben?




Manche Dinge rächen sich spät, die man früh angefangen hat. Die ersten Tage nach Henrys Geburt waren wir ganz tapfer und hatten ihm gar keinen Schnuller gegeben. Schließlich sei ein Schnuller auch überhaupt nicht nötig, wie uns die Hebammen überzeugt versichert hatten. Da Henry jedoch einen unglaublichen Saugdrang an den Tag legte, mussten wir uns überlegen, welcher Weg der bessere war: entweder den halben Tag am kleinen Finger von Mama oder Papa lutschen oder eben doch einen Schnuller kaufen. Die Entscheidung war schnell getroffen: Schnuller mussten her!

So sind wir im Drogeriemarkt fündig geworden und haben die schönsten und witzigsten Schnuller gekauft, die wir für Henry finden konnten: zwei süße kleine Fische vorne drauf. Und damit nahm das Übel seinen Lauf...

"Henry, möchtest Du den Fisch haben?"

"Wir müssen die Fische mal wieder auskochen."

"Wo sind eigentlichen die ganzen Fische hin? Ich finde keinen mehr."

"Oooh, Henry, wo ist der Fisch? Ja genau! Daaa ist der Fisch! Super, Henry!"

"Er braucht unbedingt wieder neue Fische."

Man stelle sich bitte folgende Situation vor: Mama, Papa und Henry beim Einkaufen in unserem Riesensupermarkt um die Ecke mit ganz vielen Leuten am Samstag Nachmittag. Der Kleine wird langsam quengelig und macht lautstark auf sich aufmerksam, schließlich sind wir schon zwei Stunden unterwegs mit ihm. Um ihn wieder etwas zu beruhigen, beugen wir uns über ihn und sagen: "Ja, Henry, dauert nicht mehr lang, gleiiich haben wir's geschafft, dann fahren wir nach Hauuuse. Schau mal, nimm mal den Fisch. Ja genau, uiii, das ist aber ein toller Fisch, mmmhmmm." - Manchmal wüsste ich einfach zu gerne, was andere Leute in diesen Augenblicken denken!

Samstag, 3. Oktober 2009

Schuhe auf dem Tisch



Wenn man bei uns in die Wohnung kommt, dann fragt man sich manchmal, was hier eigentlich für Leute wohnen. Normalerweise hat man seine Schuhe im dafür vorgesehenen Schrank oder in einer speziellen Ecke oder an den Füßen unter'm Tisch stehen. Nicht so bei uns, da stehen sie nämlich auf dem Tisch.

Henry hat einen sehr ausgeprägten Schuh-Tick. Sobald er ein paar Hausschuhe, Schlappen oder Stiefel beim Krabbeln auf dem Boden entdeckt, erhöht er sofort seine Krabbelgeschwindigkeit und rast wie ein Wirbelwind auf die Schuhe zu, um sie zu begutachten. Selbstverständlich muss man in seinem Alter alle Gegenstände mit dem Mund untersuchen, also auch die Schuhe.

Dann bleibt uns nichts anderen übrig, als mit einem überzeugten "Nein, Henry" ihm die begehrten Schuhe vor der Nase wegzuschnappen und in Sicherheit zu bringen. Nach einem gemütlichen Abend mit Gattin und Sohnemann kann das dann zu folgendem Bild führen:
  • die Schlappen meiner Frau auf der Couch
  • meine Hausschuhe auf dem Esstisch
  • ein Paar Straßenschuhe auf dem Wohnzimmertisch
Das macht aber nichts, denn am nächsten Morgen werden alle Schuhe ja sowieso wieder benötigt und an den Füßen weggetragen.

Außerdem können wir immer behaupten: "Solange wir unsere Schuhe noch auf Deinen Tisch stellen, wird gemacht, was Du willst."

Dienstag, 22. September 2009

Endlich Windelgröße 4

Vor einigen Wochen gab es ein unschlagbares Angebot im Drogeriemarkt unseres Vertrauens: 104 Pampers in Größe 3 für unglaubliche 2 Euro weniger als sonst.

"Ja, komm, die nehmen wir gleich mit", sagte ich und nahm gleich zwei Kartons in den Einkaufswagen.
"Schau mal, Henry, frische Windeln, uiiiii", sprach meine Frau zu unserem Kleinen, der sich wie immer freute wie ein Honigkuchenpferd.

So fuhren wir nach Hause mit über 200 neuen Windeln im Gepäck, die würden dann wenigstens für ein paar Wochen reichen.

Ein paar Tage später waren wir bei einem befreundeten Elternpaar zum Grillen eingeladen. Komischerweise kamen wir auch irgendwann auf Baby-Themen zu sprechen. Und da Henry einen Stinker in der Hose hatte, durfte ich mit ihm gleich ins Bad, um ihn zu wickeln. Und was musste ich dort vorfinden? Pampers in Größe 4! Und die haben Henry perfekt gepasst.

Ganz männlich unterdrückte ich meinen Neid und fragte neutral: "Seit wann habt Ihr denn die 4er Windeln?"
"Ach, die haben wir schon ein paar Wochen."
"Ja, wir werden jetzt auch die 4er kaufen, wenn die 3er aufgebraucht sind. Wir haben zwar noch 180 Stück im Schrank liegen, aber die sind ja schnell weg."

Mittlerweile sind es ungefähr noch 50 Windeln, es wird überschaubar. Und langsam aber sicher werden wir das Auto durch die Waschanlage jagen, uns in feinsten Zwirn werfen und mit einem großen Hallo zwei Kartons Pampers in Größe 4 kaufen - selbst wenn sie zum Extrapreis diesmal 2 Euro mehr kosten als sonst.

Tip des Tages: im Zweifelsfall lieber drei Windeln täglich mehr wechseln, das hält sauber und gesund.

Donnerstag, 17. September 2009

Nein!

Henrys Welt wird jeden Tag ein bisschen größer. Mit jedem Schritt dringt er weiter vor in die Welt der Neins.

"Nein, Henry, nicht an der Pflanze ziehen."
"Nein, Henry, nicht die Schuhe in den Mund nehmen."
"Nein, Henry, Au! Nicht an den Haaren ziehen."
"Nein, Henry, nicht das Stromkabel nehmen."

Man darf sich also nicht wundern, dass Kinder nach dem ersten Spracherwerb schnell selbst in die Nein-Phase übergehen - sie haben es schließlich so von ihren Eltern gelernt.

Wichtig während der elterlichen Nein-Phase ist jedoch unbedingte Konsequenz! Da Henry sich regelrecht darüber freut, eine Reaktion bei uns erzeugt zu haben, macht er auch genau mit dem weiter, was wir unterbinden wollten. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als ein "Nein" mit einer Aktion zu unterstützen: aufstehen, schnell zu Henry gehen, ihn im Regelfall hochheben, umdrehen und seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenken.

Kurz gesagt, unsere Nein-Phase verhilft sogar zu einem ausführlichen Bewegungsprogramm - das ist besser als jede Brigitte-Blitz-Diät. Also wollen wir hoffen, dass diese Phase noch eine Weile anhält.

Tip des Tages: man muss auch gelegentlich mal "Ja" sagen können!

Donnerstag, 10. September 2009

Stinker in der Hose

Wundersam, über was sich vermeintlich erwachsene Menschen plötzlich freuen können. So passiert es gelegentlich, dass ein Baby zwei Tage lang überhaupt keine Anstalten macht, seine Windel ordentlich vollzumachen. Nass ist sie zwar immer, aber ein richtiger Haufen ist einfach nicht drin.

Was kinderlose Paare glücklich machen würde, versetzt Eltern auf einmal in nervöse Zustände:
"Hat er bei Dir heute schon was in der Windel gehabt?"
"Ne, seit gestern Abend war nichts mehr drin."
"Bei mir gestern auch gar nichts."
"Hm, naja, er macht bestimmt noch was."

Aber nix passiert. Der Kleine ist fröhlich, ihm fehlt es an nichts und trotzdem ist nichts Großes in der Windel zu finden.

"Er hat aber gestern Mittag auch nicht viel gegessen."
"Vielleicht liegt es an dem neuen Brei von gestern Abend."
"Hat er denn genug getrunken?"
"Wahrscheinlich ist es ihm momentan auch einfach zu heiß."

Mit anderen Worten: wir wissen von nichts und mutmaßen wie wild, an was das jetzt wohl liegen könnte. Dieser Zustand intensiviert sich über die Zeit bis zu solch intimen Konversationen wie: "Oh, riech mal bitte, hat er nen Stinker in der Hose?" - "Nein, das war wohl nur ein Furz."

Doch eines Tages kommt dann der Zeitpunkt, wo die Antwort lautet: "Ja, er hat nen Stinker in der Hose!"

Und dann stelle man sich eben jene beiden vermeintlich erwachsene Menschen vor, welche im Duett mit ihrem Kleinen auf dem Arm singen:

"Daaaa
iiiiist
eiiiin
Stinker in der Hose,
Stinker in der Hose,
Stinker,
Stinker,
Stinker in der Hose!"

Und plötzlich ist die Welt wieder in Ordnung.

Sonntag, 6. September 2009

Krabbeln, Sitzen, Greifen, Lesen



Henry ist nun 7 Monate alt und lernt jeden Tag etwas neues dazu. Seit ein paar Tagen kann er den sogenannten "Vierfüßlerstand", sich also auf Knien und Händen nach oben drücken. Es kann jetzt jederzeit passieren, dass er plötzlich von alleine sitzt - wir sind gespannt.

Er nimmt alle möglichen Dinge in die Hand und hat begonnen, alles ganz genau zu betrachten. Mit seinen Fingern kann er bereits so gut umgehen, dass er sein Bilderbuch aufschlagen und teilweise sogar schon gezielt umblättern kann. Ganz fasziniert betrachtet er die Bilder, wenn man ihm dazu etwas vorliest oder einfach etwas erzählt.

Für Außenstehende ist das alles mit Sicherheit keiner Rede wert. Wenn man die Entwicklungsschritte von Henry aber jeden Tag sehen kann, dann stellt man immer wieder auf's Neue fest, wie verblüffend das alles ist.

(Zwischenbemerkung: ich wurde gerade 10 Minuten unterbrochen, weil Henry sich plötzlich in den Quengel-Modus versetzt hatte. Jetzt schaukelt er in den Armen meiner Frau und alles ist wieder in Ordnung.)

Henry hat übrigens immer noch keinen Zahn bekommen (siehe auch http://papabless.blogspot.com/2009/08/er-kriegt-bestimmt-einen-zahn.html), aber dafür hat er andere Qualitäten.

Samstag, 5. September 2009

Schreiattacken


Man wird wahnsinnig, holt immer wieder tief Luft und könnte den Kleinen für 1€ auf eBay verkaufen!

Wenn Henry wieder mal so eine Phase hat, während der er zum Schreikind mutiert (man spricht dann gerne auch von einem "Schub" oder "Entwicklungsschub"), ist es kaum auszuhalten. Die ersten paar Tage kann man sich noch sehr gut einreden, dass das alles normal und gut so ist und er nach dieser Phase viel mehr können wird als zuvor. Wenn sich das jedoch zwei Wochen in die Länge zieht, man an einem Samstag Morgen sich auf das Wochenende freut und der Kleine ununterbrochen quängelt, beschäftigt werden will, schreit, kreischt und brüllt, dann ist man irgendwann soweit, dass es einfach reicht.

Unsere Hebamme hatte uns vor vielen Monaten den Rat erteilt, sich mit diesen Situationen abzufinden und sie zu akzeptieren. Die Schreiattacken müsse man "einfach aushalten", danach sei alles wieder bestens.

Und tatsächlich ist das der einzige Tipp, der in brenzligen Situationen hilft: Ruhe bewaren (oder sie für sich schnell wieder herstellen) und vor allen Dingen Ruhe ausstrahlen! So abgedroschen es auch klingen mag: positiv Denken unter allen Umständen. Ganz nach dem Motto: wer so laut schreien kann, der bekommt auch gut Luft und ist gesund - was will man mehr?

Und wenn der Kleine danach wieder lacht und strahlt, ist sowieso alles, wie es sein soll.