Henry darf seit einiger Zeit bei uns zu jeder Mahlzeit mit am Esstisch sitzen. Er freut sich immer ganz arg darauf, wenn er den Kinderstuhl sieht und hochgehoben wird, da er genau weiß, dass es gleich etwas feines zum Essen gibt. Gut ich gebe zu, das war gerade die geschönte Beschreibung. In Wirklichkeit macht Henry natürlich lautstark auf sich aufmerksam, wenn er Hunger hat - da kann dann alles gar nicht schnell genug gehen.
Achtung, jetzt verrate ich ein Geheimnis. Als Henry alleine noch nicht sitzen konnte, haben wir etwas getan, das nach Aussagen von Hebammen und der neuesten Säuglingsentwicklungsforschung ganz fürchterlich schlimm sei: wir setzten Henry in den Kinderstuhl, obwohl er alleine noch gar nicht sitzen konnte! Aber mit zwei zusammengerollten Handtüchern bastelten wir immer einen Rettungsring um ihn herum, so dass nichts passieren konnte. Außerdem hatten wir so immer etwas zum Abwischen in der Nähe für Essenreste, die aus dem kleinen Mund wieder rauspurzeln.
Mittlerweile sitzt er stolz und sicher ganz alleine im Hochstuhl und braucht keinen Handtuchrettungsring mehr. Damit begann auch das eigentliche Schauspiel: im Radius etwa einen halben Meter um Henry herum verteilen sich während der Mahlzeit Essensreste aller Art. Keks-Krümel, Apfelstückchen, zermanschte Banane, Brotrinde, Karottensticks, kleine Zucchinischeiben, Nudelreste und was man eben so einem kleinen Mitesser sonst noch so alles anbietet.
Sehr spannend war die Entdeckung eines neuen Klebers in Form von aufgeweichten Baby-Keksen. Es ist schier unglaublich, mit welcher Kraft eingespeichelte Baby-Kekse auf Oberflächen jeder Art festkleben. Also lassen wir die ab sofort einfach weg. Ganz davon abgesehen, dass Baby-Kekse zu den völlig übertriebenen Produkten gehören, die sowieso kein Mensch benötigt. Auf der Packung wird tatsächlich damit geworben, die Kekse seien "ideal für kleine Hände" - wer es nicht schafft, sein Kind portionsgerecht zu ernähren, muss wohl solche Produkte kaufen. Kleiner Tip: durch einfaches Zerbrechen oder - etwas anspruchsvoller - Schneiden mit einem Messer lassen sich alle Nahrungsmittel auch "für kleine Hände" greifbar zerkleinern.
Weiterhin spannend ist das Spiel "ich bin ein Beuteltier", das Henry immer spielt, wenn er beim Essen eine Latzhose trägt. Man glaubt es kaum, wie viele Apfel- und Brotstückchen sich in Henrys Kleidung sammeln können. Und vor allem, wo sich diese Reste überall hinbewegen: teilweise finden wir Brotkrümel in der Windel beim Stinker-aus-der-Hose-machen.
Am allerliebsten aber wirft Henry entweder sein Essen oder seine Trinkflasche einfach neben dem Hochstuhl auf den Boden. Das macht wenigstens ein bisschen Krach und außerdem bückt sich die Mama dann immer, um die Flasche wieder auf den Tisch zu stellen. Spaßigerweise wirft Henry die Sachen tatsächlich vorzugsweise auf die Seite, wo meine Frau sitzt - aber keine Sorge, für mich bleibt immer noch genug zum Aufheben übrig.
Tip des Tages: wer Holz oder Fliesen statt Teppich liegen hat, ist klar im Vorteil - da kann nichts festkleben und mit dem Staubsauger ist alles wieder schnell weg.
Nächster Tip des Tages: wer mehrfach täglich auch größere Brotstücke in den Staubsauger saugt, der darf sich nicht wundern, wenn nach einer Woche der Schlauch verstopft ist.
In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein entspanntes Wochenende,
Papa Bless