Mittwoch, 25. November 2009

Fliegender Henry



Wenn man Henry eine richtig große Freude bereiten will, dann gibt es einen ganz einfachen Trick: man hält ihn vor sich unter den Armen fest, hebt ihn hoch und wirft ihn hoch in den Himmel mit einem lauter werdenden "Uiiiiiih" oder "Sssssss". Dann hat man die unbeschreiblich schöne Gelegenheit, sein unbeschreiblich schönes Lachen zu sehen.
Jetzt benötigt es noch etwas Konzentration - man darf sich auf keinen Fall ablenken lassen und wegschauen - und dann landet Henry wieder sicher in den Armen.

Das ganze Spiel kann nun von vorne beginnen und beliebig lang wiederholt werden. Er kann findet das so lustig, dass er mit wachsender Begeisterung immer witziger wird und die tollsten Töne dabei macht.

Das Beste an der ganzen Sache: man spart sich das Fitnessstudio, denn Henry ein paar mal in die Luft zu werfen, geht ganz schön auf die Muskeln. Abgenommen habe ich deswegen aber trotzdem noch nicht.

Samstag, 14. November 2009

Rhythmusgefühl

Alle Eltern sind der Meinung, ihr Kind sei das schönste, beste und tollste der ganzen Welt. Das scheint von Mutter Natur so gemacht worden zu sein und das ist auch gut so. Trotzdem muss ich als anerkannter Universalwissenschaftler ganz sachlich und objektiv feststellen, dass Henry tatsächlich das schönste, beste und tollste Kind der ganzen Welt ist!

Henry zeigt jetzt mit seinen 9 Monaten das erste Rhythmusgefühl und hat sogar schon ein Lieblingslied. Immer wenn "Oh Jonny" von Jan Delay im Radio oder Fernseher gespielt wird, zaubert sich ein breites Lächeln auf sein Gesicht. Henry schaut uns dann ganz verzückt an und schlägt mit der Hand im Takt auf den Boden oder den Tisch oder eben dorthin, wo er sich gerade befindet.

So etwas macht einen als Vater mehr als Stolz! Man kann kaum glauben, wie rasant sich so ein kleines Menschlein und seine Fähigkeiten entwickeln.

Ich bin schon ganz gespannt, wann Henry die nächsten musikalischen Überraschungen präsentieren wird. Tanzen, singen, pfeifen oder vielleicht gleich etwas komponieren?

Jedenfalls werde ich sofort Geld sammeln für ein Schlagzeug und einen Flügel für das Musikzimmer mit der hellen Fensterfront zum Garten vor der Bibliothek. Dann brauchen wir nur noch die passende Villa dazu.

Sonntag, 1. November 2009

Ungestörte Zeit

Als Papa ist man ja nicht nur beruflich eingespannt, sondern hat als moderner Mann auch das Bestreben, die eigene Ehefrau zu unterstützen und ihr Arbeit mit dem Nachwuchs abzunehmen. Uns Vätern bleibt also nicht mehr viel Zeit, um uns um all die Dinge zu kümmern, die wir aus tiefstem Ansporn ständig so gerne machen würden.

So bleibt beispielsweise die Steuererklärung Monate lang auf dem Schreibtisch liegen. Versicherungsdokumente stapeln sich einen halben Meter hoch. Und schließlich vermitteln einem die ganzen ungeöffnete Briefe das Gefühl, es könnten sich schreckliche Nachrichten darin verbergen - wohl wissend, dass es sich dabei ausschließlich um Info-Post aufdringlicher Versandfirmen handelt. "Herzlichen Glückwunsch. Sie erhalten heute Ihre ganz persönliche Xyz-Card."

Wann also sollen wir Papas uns um diese ganzen spannenden Sachen kümmern? Ganz einfach, so wie ich es gerade gemacht habe: man wartet einfach, bis Frau und Kind Abends eingeschlafen sind, schleicht sich heimlich ins Büro und werkelt vor sich hin. Irgendwann ist es dann halb 3 Uhr morgens und ein Großteil ist erledigt.

Und Henry war diese Nacht glücklicherweise so brav, dass er sich bislang nicht gemeldet hat. Das wird er vermutlich dann gleich tun, nachdem ich mich ins Bett gelegt haben werden.

Ergebnis meiner nächtlichen Büroaktion: sieben unbrauchbare Vorteils-Kunden-Irgendwas-Karten in der Schublade verschwinden lassen, ein paar Schweizer Franken vom letzten Schweiz-Besuch gefunden, einen €10 Tankgutschein entdeckt, unzählige Blätter auf 13 Ordner verteilt, die Steuererklärung abgeschlossen, einen halben Pampers-Karton Altpapier erzeugt und dabei 4 Alben verschiedener Musiker gehört. Also alles in allem ein voller Erfolg.

Tipp des Tages: man sollte das nicht zu oft machen, da einen am nächsten Tag die Müdigkeit einholt.

Musik-Tipp des Tages: Bairisch Diatonischer Jodel-Wahnsinn - Aus tiefster Brust. Grandiose, bayrische, ehrliche Musik. Aber Vorsicht: man muss das ertragen können!

Gute Nacht,
Papa Bless

Freitag, 30. Oktober 2009

Äh Gig Ge!

Henry übt jetzt täglich mehr: an Schränken und Sofas hochziehen, hinter Mama her durch die Zimmer krabbeln, nachts um halb 3 aufwachen, morgens um halb 6 aufstehen wollen, aber vor allem eins: brabbeln wie ein Weltmeister.

"Äh gig ge", hat er mir vorhin freudestrahlend erzählt.
"Äh gig ge?" Ich frage vorsichtshalber mal nach.
"Giiiiiiich", sagt Henry und schlägt dabei mit den Armen um sich.
"Ja, genau, das würde ich nämlich auch sagen", antworte ich ihm.

Auf diese Art reden Henry und ich momentan bei fast allem, was wir tun.

Gestern Abend erst auf dem Wickeltisch meinte ich: "So, jetzt gibt's mal eine frische Hose."
Und er daraufhin: "Hahahahaaa!"

Wenn er gerade einmal selbst beschäftigt ist und im Wohnzimmer spielt, dann kann man auch manchmal einen Monolog hören, der etwas so lautet: "Giii, aaaah, kchchch, rrrrrr, geee, gig, kekch."

Wir werden das in den nächsten Wochen mit großem Interesse verfolgen - irgendwann schaffe ich es bestimmt, dass er mir etwas nachspricht. Und ich arbeite mit Hochdruck an einem Henry-Wörterbuch, denn momentan ist es uns noch völlig schleierhaft, was er uns eigentlich mitteilen will.

Das macht aber gar nichts, denn solange er dabei lacht, ist die Welt für uns alle in Ordnung.

Samstag, 24. Oktober 2009

Kleiner Mitesser

Henry darf seit einiger Zeit bei uns zu jeder Mahlzeit mit am Esstisch sitzen. Er freut sich immer ganz arg darauf, wenn er den Kinderstuhl sieht und hochgehoben wird, da er genau weiß, dass es gleich etwas feines zum Essen gibt. Gut ich gebe zu, das war gerade die geschönte Beschreibung. In Wirklichkeit macht Henry natürlich lautstark auf sich aufmerksam, wenn er Hunger hat - da kann dann alles gar nicht schnell genug gehen.

Achtung, jetzt verrate ich ein Geheimnis. Als Henry alleine noch nicht sitzen konnte, haben wir etwas getan, das nach Aussagen von Hebammen und der neuesten Säuglingsentwicklungsforschung ganz fürchterlich schlimm sei: wir setzten Henry in den Kinderstuhl, obwohl er alleine noch gar nicht sitzen konnte! Aber mit zwei zusammengerollten Handtüchern bastelten wir immer einen Rettungsring um ihn herum, so dass nichts passieren konnte. Außerdem hatten wir so immer etwas zum Abwischen in der Nähe für Essenreste, die aus dem kleinen Mund wieder rauspurzeln.

Mittlerweile sitzt er stolz und sicher ganz alleine im Hochstuhl und braucht keinen Handtuchrettungsring mehr. Damit begann auch das eigentliche Schauspiel: im Radius etwa einen halben Meter um Henry herum verteilen sich während der Mahlzeit Essensreste aller Art. Keks-Krümel, Apfelstückchen, zermanschte Banane, Brotrinde, Karottensticks, kleine Zucchinischeiben, Nudelreste und was man eben so einem kleinen Mitesser sonst noch so alles anbietet.

Sehr spannend war die Entdeckung eines neuen Klebers in Form von aufgeweichten Baby-Keksen. Es ist schier unglaublich, mit welcher Kraft eingespeichelte Baby-Kekse auf Oberflächen jeder Art festkleben. Also lassen wir die ab sofort einfach weg. Ganz davon abgesehen, dass Baby-Kekse zu den völlig übertriebenen Produkten gehören, die sowieso kein Mensch benötigt. Auf der Packung wird tatsächlich damit geworben, die Kekse seien "ideal für kleine Hände" - wer es nicht schafft, sein Kind portionsgerecht zu ernähren, muss wohl solche Produkte kaufen. Kleiner Tip: durch einfaches Zerbrechen oder - etwas anspruchsvoller - Schneiden mit einem Messer lassen sich alle Nahrungsmittel auch "für kleine Hände" greifbar zerkleinern.

Weiterhin spannend ist das Spiel "ich bin ein Beuteltier", das Henry immer spielt, wenn er beim Essen eine Latzhose trägt. Man glaubt es kaum, wie viele Apfel- und Brotstückchen sich in Henrys Kleidung sammeln können. Und vor allem, wo sich diese Reste überall hinbewegen: teilweise finden wir Brotkrümel in der Windel beim Stinker-aus-der-Hose-machen.

Am allerliebsten aber wirft Henry entweder sein Essen oder seine Trinkflasche einfach neben dem Hochstuhl auf den Boden. Das macht wenigstens ein bisschen Krach und außerdem bückt sich die Mama dann immer, um die Flasche wieder auf den Tisch zu stellen. Spaßigerweise wirft Henry die Sachen tatsächlich vorzugsweise auf die Seite, wo meine Frau sitzt - aber keine Sorge, für mich bleibt immer noch genug zum Aufheben übrig.

Tip des Tages: wer Holz oder Fliesen statt Teppich liegen hat, ist klar im Vorteil - da kann nichts festkleben und mit dem Staubsauger ist alles wieder schnell weg.

Nächster Tip des Tages: wer mehrfach täglich auch größere Brotstücke in den Staubsauger saugt, der darf sich nicht wundern, wenn nach einer Woche der Schlauch verstopft ist.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein entspanntes Wochenende,
Papa Bless

Dienstag, 13. Oktober 2009

Sitzen bleiben!





Seit ein paar Tagen ist es nun tatsächlich so weit: Henry bleibt sitzen ohne sofort umzufallen!

"Juhuuu, ja suuuper Henry, bravooo!"

Er schafft es zwar noch nicht alleine, diese Position einzunehmen, aber mit etwas Hilfe ist es kein Problem. Damit hat sich auch das lästige Ausstopfen des Hochstuhls mit Handtüchern erledigt. Wir mussten Henry bislang nämlich noch vorne, unten, seitlich und hinten mit Handtüchern ummanteln, damit er am Frühstückstisch nicht umgefallen wäre.

Ich bin völlig begeistert, dass er das so plötzlich von einem auf den anderen Tag konnte. Jetzt harren wir der Dinge, die da noch kommen werden: das erste Mal alleine hinsetzen, das erste Mal aufstehen, das erste Mal hinfallen, das erste Mal "Mama" sagen...

Tipp des Tages: der Kleine soll ruhig zuerst "Mama" sagen - weil meine Frau das nämlich verdient hat. Eine bessere Mama kann sich Henry gar nicht wünschen!

Sonntag, 4. Oktober 2009

Möchtest Du den Fisch haben?




Manche Dinge rächen sich spät, die man früh angefangen hat. Die ersten Tage nach Henrys Geburt waren wir ganz tapfer und hatten ihm gar keinen Schnuller gegeben. Schließlich sei ein Schnuller auch überhaupt nicht nötig, wie uns die Hebammen überzeugt versichert hatten. Da Henry jedoch einen unglaublichen Saugdrang an den Tag legte, mussten wir uns überlegen, welcher Weg der bessere war: entweder den halben Tag am kleinen Finger von Mama oder Papa lutschen oder eben doch einen Schnuller kaufen. Die Entscheidung war schnell getroffen: Schnuller mussten her!

So sind wir im Drogeriemarkt fündig geworden und haben die schönsten und witzigsten Schnuller gekauft, die wir für Henry finden konnten: zwei süße kleine Fische vorne drauf. Und damit nahm das Übel seinen Lauf...

"Henry, möchtest Du den Fisch haben?"

"Wir müssen die Fische mal wieder auskochen."

"Wo sind eigentlichen die ganzen Fische hin? Ich finde keinen mehr."

"Oooh, Henry, wo ist der Fisch? Ja genau! Daaa ist der Fisch! Super, Henry!"

"Er braucht unbedingt wieder neue Fische."

Man stelle sich bitte folgende Situation vor: Mama, Papa und Henry beim Einkaufen in unserem Riesensupermarkt um die Ecke mit ganz vielen Leuten am Samstag Nachmittag. Der Kleine wird langsam quengelig und macht lautstark auf sich aufmerksam, schließlich sind wir schon zwei Stunden unterwegs mit ihm. Um ihn wieder etwas zu beruhigen, beugen wir uns über ihn und sagen: "Ja, Henry, dauert nicht mehr lang, gleiiich haben wir's geschafft, dann fahren wir nach Hauuuse. Schau mal, nimm mal den Fisch. Ja genau, uiii, das ist aber ein toller Fisch, mmmhmmm." - Manchmal wüsste ich einfach zu gerne, was andere Leute in diesen Augenblicken denken!